Postkutsche in Tettnang

Nachricht vom 29.04.2015 • 12:39 Uhr

Postkutsche in Tettnang

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Aufgrund des schlechten Wetters kann die 4-spännige Postkutsche Tettnang heute leider nicht besuchen.

 

 

Es handelt sich bei dieser Fahrt um einen Teil der königlich-württembergischen Route der Postgeschichte. Die aktive Zeit dieser Postrouten begann rund 1600. Erst 1800 jedoch  mit dem Amtsantritt von König Friedrich, dem Ersten aus dem Hause Württemberg wurde eine Post-Gesamtstreckenverwaltung eingeführt. Friedrich der Dicke, oder auch der schwäbische Zar genannt, brachte mit 2,11 m Körpergrösse stattliche 200 Kilo auf die Waage. Auf seine Initiative hin wurden wohl organisierte und termintreue Postkutschenlinien im ganzen Ländle eingerichtet.

 

Damals entstanden die ersten Hauptstrecken der Posttransporte. Diese reichten von Augsburg über Ulm, Laupheim, Biberach, Ravensburg, Wangen, Lindau bis nach Fußach in die Schweiz. Eine weitere führte zurück von Fußach über Lindau bis ins königliche Haus nach Ludwigsburg. Die diesjährige Postkutschenfahrt ist die dritte Fahrt nun insgesamt und sie bewegt sich teilweise auf der letzt genannten Strecke.

 

Fußach war einst ein Hauptsammel- und Umschlagspunkt des königlichen Postbetriebes. Von hier ging es dann auch durch die Schweiz über die Alpen bis nach Italien (bekannt als „Lindauer Bote“). Das Haus Thurn und Taxis hatte während dieses Jahrhunderts die Monopolstellung auf diesen Strecken; Mittelpunkt bildete das Schloss Obermarchtal auf der schwäbischen Alb. Dort waren bis zu 120 Pferde für den Kutschenbetrieb stationiert.

 

Als Zulieferer zur Post gab es von den Ortschaften eine sog. Metzgerpost. Als Blütezeit galt das 17 bis ausgehendes 18 Jahrhundert. Früher wurden die meisten Postkutschen vom Postillion als Kutscher, dem sog. Schwager als 4 Spänner gefahren. Eine wesentliche Rolle kam ihm auch als Routenorganisator zu. In diesen ehrenhaften Rollen galt es doch die Fahrgäste, nebst Wertsachen und Post sicher an ihr Ziel zu bringen. So mussten die Bürgerwehren Sorge für die Sicherheit tragen und Wegelagerer und Diebe von den Kutschen fernhalten. In misslichen Situationen war der Postillion der Mann für alle Fälle. Und so sind seine Stiefel und Sporen noch Zeugen davon, ein Gespann auch sicher aus dem Sattel gefahren an seinen Bestimmungsort bringen zu können.

 

Schon von weitem hörte man die Signale des Postkutschenbläsers, so dass die Stationen den Wechsel der Pferde vorbereiten konnte. So mancher Schwager musste dann eilends seinen Platz in der Schenke verlassen, wenn das Signal zum Aufbruch erklang. Man stelle sich vor, dass für eine Strecke von 250 km, wie von Augsburg nach Fußach nur ganze 23 Stunden benötigt wurden. Damit lag die durchschnittliche Geschwindigkeit bei 10 bis 12 km pro Stunde. Dafür wurden die Pferde bis zu 70 % im Trab gefahren, der leichtesten Pferde-Gangart.

 

Die Kutsche ist ein in der Schweiz nachgebauter voll durchgefederter Reisewagen. Es handelt sich um eine sogenannte Berline, die ihren Namen Ihrer Entstehung und der Beliebtheit am Brandeburger Hof im ausgehenden 17. Jahrhundert verdankt. Am Wagen vorgespannt sind 4 Warmblut- und schwere Warmblut-Pferde in einem englischen Kumtgeschirr. 

 

Kutscher und Freunde

Organisator und Postillon: Philipp Kloker

Paul Hehle kommt aus Österreich. Er ist dort auf dem Pfänder zuhause.

Erhard Mantz, der Besitzer der Kutsche, der bis aus Göttingen für diese Fahrt angereist ist. Harald Mantz, seinen Sohn. Großneffen Daniel Kloker aus Tafern.

Jeder dieser Herren kann nach Achenbach’scher Fahrmanier dieses Gespann leiten

Als Post-Bläser Manfred Kramer, den passionierten Musiker aus Achberg präsentieren. Unsere Marketender-Begleiter sind Manfred Fink vom Haggen und Folkert Goemann aus Meratzhofen.

 

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